BEINAHE-FAVORITENSCHRECK, FAST-WELTREKORD UND LERN-ERFAHRUNG AUF DIE HARTE TOUR

Gemischte Gefühle im Team Austria am Ende des ersten Wettkampftages bei den World Games in Chengdu (7. bis 17. August 2025). Nach dem turbulenten Vormittag beim Orientierungslauf und den Erfolgserlebnissen beim Wake Surfen und Wakeboarden verlangt das Discgolf-Duo den auf Gold programmierten Esten (fast) alles ab. Bogenschütze Nico Wiener kratzt am Weltrekord und muss trotz neuerlicher Top-Leistung die Koffer packen. Und in der Squash-Halle sind die Sitze voll, aber die Boxen aus österreichischer Sicht halbleer.

BOGENSCHIESSEN

Das war knapp! Für Bogenschütze Nico Wiener ist bei den World Games Chengdu 2025 wie schon vor drei Jahren in Birmingham wieder im Achtelfinale Endstation. Allerdings mit gänzlich anderer Gefühlslage. Nach starker Quali-Leistung mit dem drittbesten Score hat der Burgenländer, der in Runde 1 ein Freilos hatte, auch im K.o.-Duell mit Batuhan Akcaoglu das Visier richtig gut eingestellt, schießt auf höchstem Niveau.

Das Problem: der Türke hält dagegen und setzt sich in einem hochkarätigen Duell mit 148:147 Ringen hauchdünn durch. Bitter: mit seinem Score hätte Wiener bis jenes mit dem Mexikaner Sebastian Garcia Flores (149 Ringe) alle Achtelfinal-Duelle für sich entschieden. „Ich habe meine Leistung heute abgerufen, kann mir nichts vorwerfen“, war Wiener mit seiner Performance, die übrigens nur drei Ringe unter Weltrekord war, zufrieden. Auch weil die Bedingungen sehr anspruchsvoll waren: Die Hitze, Wind von links und rechts, man muss nur schauen, wer noch ausgeschieden ist. Das hilft mir, meinen Wettkampf besser einzuordnen.“ Fazit des Compound-Schützen: „Ich gehöre zu den besten Bogenschützen der Welt!“

Bereits in der Nacht auf Sonntag geht es zurück nach Österreich, wo die Staatsmeisterschaften das nächste Highlight sind, bevor Anfang September die Weltmeisterschaften in Korea auf dem Programm stehen. Außerdem wird der 28-Jährige im Herbst auch noch ein hochkarätiges Einladungsturnier in Indien schießen – als einer von nur drei Compound-Athleten weltweit. Sein Fernziel sind aber die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. „Ich war zwei Mal bei den World Games dabei, jetzt hoffe ich, dass ich mich mit dem Mixed-Team für Olympia qualifiziere, um dieses Flair auch einmal zu erleben.“

DISCGOLF

Freitag, Guixi Park, 8:30 Uhr: Raphaela Narath und Stanislaus Amann starten in das Abenteuer World Games. Der intensive Arbeitstag sollte erst um 18:30 Uhr enden – mit gemischten Gefühlen. Zunächst spielten die Steirerin und der Niederösterreicher gegen China, 12 der 18 Löcher werden in der Gruppenphase absolviert. Im Mixed-Team wird abwechselnd geworfen, dank Matchplay-Modus gibt es für jedes gewonnene Loch (weniger Versuche) einen Punkt. Die Top-2 der Vierergruppen steigen ins Viertelfinale auf, die Dritten und Vierten spielen um die Plätze 9 bis 16.

Gegen den Gastgeber setzten sich Narath/Amann knapp mit einem Loch Vorsprung durch. Nach einer kurzen Pause folgte das Spiel gegen Großbritannien – es sollte die vorentscheidende Partie werden. Am Ende hatten Rachel Turton und Ben Holding das bessere Ende für sich. Zum Abschluss wartete Gruppenfavorit Estland, das Ehepaar Kristin und Silver Lätt hatten zuvor gegen Großbritannien und China klare Siege gefeiert, Österreich ging als krasser Außenseiter in die Begegnung.

Doch es kam anders als gedacht: Narath/Amann starteten stark und gingen mit einem Loch Vorsprung in Führung. Kurz vor Ende glichen Lätt/Lätt aus, das letzte Loch entschied. Dieses gestaltet sich als besonders trickreich: Abwurf durch mehrere Bäume, schwierige Korb-Position. Mit einem sensationellen Putt sorgte Amann für ein Unentschieden am letzten Loch und das Unentschieden im Duell mit Estland und wurde seinem Spitznamen „Stan the Man“ einmal mehr gerecht.

„Das war noch einmal ein richtig cooler Abschluss eines langen Tages. Dennoch ist es etwas ärgerlich, dass wir unsere Chancen in den ersten beiden Matches nicht genutzt haben“, bilanziert Amann zwiegespalten. „Gegen Großbritannien wären auf jeden Fall ein Sieg möglich gewesen, dann wären wir im Viertelfinale.“

Mit einem Sieg, einem Unentschieden und einer Niederlage und somit drei Punkten belegte Österreich in der Vierergruppe Rang drei, Estland (5 Punkte) und Großbritannien (4 Punkte) stehen im Viertelfinale. Die World Games sind für Narath/Amann jedoch noch nicht beendet, da im Discgolf alle Platzierungen ausgespielt werden. Am Samstag (9 Uhr Ortszeit) trifft Österreich im Bracket „9 bis 16“ auf den Vierten aus Gruppe B, Japan. „Zu verlieren haben wir nichts mehr, wir werden voll attackieren und das Beste herausholen. Jetzt lautet das Ziel Platz neun“, so Narath.

Dass im Guixi Park auch Teile des Team Austria um Chef de Mission Aria Siami mit dabei waren und für so viel Stimmung, wie es im Discgolf erwünscht ist – also vergleichsweise wenig – sorgte, gab zusätzliche Motivation. Narath: „Das bekommt man mit und gibt einen Extra-Push. Es war ein richtig cooler Tag! Ich finde, wir können stolz auf uns sein.“

SQUASH

Da staunte Joseph White nicht schlecht, als sein österreichischer Gegner mit einer fünfköpfigen Entourage den Bus zur Squash-Halle bestieg. Der Australier war alleine unterwegs und wusste auch nicht, dass es sich bei der Begleitung von Daniel Lutz nicht ausschließlich um Betreuer:innen sondern auch um das Medien-Team von Sport Austria handelte.

Als die Nummer 86 der Welt mit dem Salzburger dann aber alleine war, in der Squash-Box nämlich, schob er die Kräfteverhältnisse schnell zurecht. Den ersten Satz konnte die heimische Hoffnung für die Olympischen Spiele Los Angeles 2028 noch offen gestalten, ab der Mitte von Satz zwei ließ der erfahrene Top-Spieler aus „Down Under“ aber seine Klasse aufblitzen: nach 37 Minuten endete das Erstrunden-Duell 8:11, 4:11, 2:11.

„Ich habe gut begonnen, sauber gespielt, aber irgendwann die Kontrolle verloren“, war es für Lutz dennoch eine wertvolle Erfahrung. „Weil ich gesehen habe, dass ich in den langen Rallyes durchaus mithalten kann. Aber man muss gegen solche Spieler von Anfang bis zum Ende konzentriert bleiben, auch wenn man einen blöden Ball gespielt hat“, ist es für den erst 19-Jährigen das erste große Event seiner Karriere („Übertrifft alles, was ich bisher erlebt habe!“) auch und vor allem „eine ziemlich coole Erfahrung“.

Die Lutz auch im unteren Tableau voll aufsaugen möchte. Weiter geht’s bereits am Samstag gegen Nasir Iqbal aus Pakistan, der sein Auftaktmatch ebenfalls verloren hat. Läuft es schlecht, hat der Salzburger noch zwei Matches, im Bestfall warten noch vier Spiele auf ihn und ein 17. Platz.

Bereits am Vormittag unterlag Jacqueline Peychär zum Auftakt der Ungarin Hannah Chukwu klar mit 0:3. Auf den zweiten Blick lieferte die Tirolerin ihrer Gegnerin aber einen harten Kampf, hätte durchaus auch als Siegerin aus der Glasbox gehen können. Denn im ersten Satz führte die 29-Jährige bereits mit 9:6, gab diesen aber noch aus der Hand: 9:11. Auch der zweite Durchgang bot ein Duell auf Augenhöhe, in dem sich Peychär auf 7:8 und 9:10 herankämpfte, um diesen erneut mit 9:11 und dann auch den dritten Satz mit 7:11 abzugeben.

„Es war nicht der Start den ich mir erhofft habe, aber es war eine wertvolle Erfahrung. Auf diesem Level kommt es auf Kleinigkeiten an, technisch, körperlich und mental. Hoffentlich klappt’s im zweiten Spiel besser.“ Am Samstag trifft Peychär im unteren Tableau zum Auftakt auf die Chinesin Ziyuan Yin, auch hier geht’s um die Plätze 17 bis 32.

© Sport Austria/Florian Rogner © Sport Austria/Michael Meindl

Hier gehts zum Video von Tag 1: Videolink von Sportaustria (www.worldgames.tv)

In der App „The World Games live“ ist zudem unsere erste Runde gegen China komplett zu sehen. Schaut gerne rein, es lohnt sich.

Weitere Videos sind ebenfalls auf der Plattform abrufbar.

Sport Austria 2025 – TWG 2025, Disc Golf: Disc Golf Austria, 08.08.2025 Vienna, Austria. (Photo: Florian Rogner)

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