FREUDENTRÄNEN, SPITZENPLÄTZE, NERVENSCHLACHT: TEAM AUSTRIA ZEIGT AM SONNTAG AUF

Emotionaler Schlusspunkt für Wakesurferin Alina Binder bei den World Games Chengdu 2025 (7. bis 17. August). Die 29-jährige Niederösterreicherin feierte mit Rang fünf den größten Erfolg ihrer Karriere, nach dem Finale flossen trotz verpasster Medaille die Freudentränen: „Diese Woche war wie ein Traum!“ Österreichs Orientierungsläufer:innen mit Achterbahnfahrt, sportlich wie emotional.  Das Discgolf-Duo freut sich über einen spannenden und erfolgreichen Abschluss und Squash-Spielerin Jacqueline Peychär über den nächsten Sieg.

DISCGOLF

Österreichs Discgolf-Duo Raphaela Narath/Stanislaus Amann hat das Abenteuer World Games mit einem Sieg beendet. Das Spiel um Platz 13 entwickelte sich zu einem wahren Krimi – Unterbrechung und Verlängerung inklusive.

Zum Abschluss ging es für Narath/Amann gegen Australien, bestehend aus Cassie Sweetten und Blake Houston. Gespielt wurden alle 18 Löcher im Guixi Park. Die Steirerin und der Niederösterreicher erwischten den besseren Start und gingen früh in Führung, zwischenzeitlich sogar mit zwei Löchern Vorsprung.

Es entwickelte sich ein hochkarätiges Duell, Australien konnte ausgleichen. Der Regen wurde immer stärker, ein Gewitter kam näher. Vor Bahn 15 stand es Unentschieden, nach dem Anwurf dann die Information: Unterbrechung aufgrund der Unwetter-Gefahr.

„Das bringt die Spieler:innen natürlich aus dem Rhythmus, aber es geht allen gleich“, berichtete Sören Lohse, Sport-Koordinator im Österreichischen Discgolfverband. Nach eineinhalb Stunden Pause ging es weiter. Narath/Amann sicherten sich Bahn 16 und gingen mit Vorsprung in die letzten beiden Löcher. Bahn 17 ging an Australien, auf der letzten Bahn kam es zu keiner Entscheidung, also musste ein Playoff her.

In diesem werden die Bahnen 16 bis 18 so lange gespielt, bis ein Team ein Loch gewinnt. Dabei musste taktisch entschieden werden: Während auf den regulären 18 Löchern je neun Löcher von Spielerin und Spieler angeworfen werden müssen und die Reihenfolge quasi keine Rolle spielt (maximal zwei Anwürfe in Folge pro Geschlecht), musste im Playoff die Löcher abwechselnd angeworfen werden.

Lohse: „Für uns war es eine Challenge, weil eigentlich Stani die Löcher 17 und 18 angeworfen hat, das war dann nicht mehr möglich.“ Die Lösung? „Raphi und Stani haben sich abgesprochen und selbst entschieden.“ Sie sollten die richtige Wahl treffen. Auf der ersten „Mini-Runde“ 16 bis 18 kam es zu keiner Entscheidung. Bei der zweiten „Extrarunde“ auf Loch 16 verwandelte Amann den Putt, Sweetten traf nicht und Österreich jubelte über Platz 13.

„Wir waren Underdogs, mit dem Draw gegen Estland haben wir international aufgezeigt. Darauf haben uns viele Leute angesprochen. Gegen Australien zu gewinnen und mit einem Sieg nach Hause zu fahren, ist ein sehr positiver Abschluss“, freute sich Lohse mit dem Team.

Das ganze Rundherum sei überwältigend. „Es ist ein ‚Once in a lifetime’-Erlebnis. Weil selbst wenn wir noch einmal dabei sind, wird es eine andere Erfahrung. World Games in China ist einfach etwas anderes. Es wurde ein eigener Park für uns gesperrt, der ‚VIP-Faktor‘ war einzigartig. Wir wurden nach Autogrammen gefragt, es gab Foto-Wünsche, alle waren stets enorm freundlich und hilfsbereit.“

Das Team freut sich bereits auf die Rückkehr nach Österreich und das Feedback der Discgolf-Community: „Wir können stolz nach Hause fahren. Nächste Woche stehen die Staatsmeisterschaften in Linz an. Da bin ich gespannt, wie das Feedback von zu Hause ausfällt. Ich hoffe, sie haben es auch nur annähernd so großartig wahrgenommen, wie es für uns war.“

WAKESURF

Das Finale der Top-6 am Sonntag wurde für Wakesurferin Alina Binder zum Genussprojekt. Sie zeigte einen starken Run, der von den Judges mit 31.67 Punkten belohnt wurde. „Ich konnte es wirklich genießen, weil ich ohne Druck ins Finale gegangen bin. Für mich war es eine Überraschung, dass ich es so weit geschafft habe. Ich konnte im schlechtesten Fall Sechste werden. Je lockerer man ist, desto besser geht es meistens.“

Mit ihrem Finalrun zeigte sie sich zufrieden. „Es ist mir gelungen, alle meine Tricks zu zeigen. Ich konnte einen ‚Stand Up Pass‘ machen, also eine ganze Strecke ohne Sturz. Das ist mega und freut mich sehr.“

Zwischenzeitlich lag Binder mit 31.67 Punkten auf Rang drei, mit Bailey Rush (CAN) und Joohee Moon (KOR) waren zwei der großen Favoritinnen jedoch noch an Land. Schließlich sicherte sich Rush mit 63.33 Punkten Gold, Moon (43.00) Silber, Bronze ging an Sonya Sokolova (UKR/50.00). Binder: „Mir war vor dem Finale klar: Wenn ich eine knacke, ist es schon eine große Leistung. Mir war bewusst, dass die beiden wahrscheinlich ihr Ding durchziehen und es sich mit der Medaille nicht ausgehen wird. Umso cooler, dass es sich mit dem fünften Platz ausgegangen ist.“

Hinter Kate Wu (HKG/39.33) wurde die Niederösterreicherin starke Fünfte, Anni Flynn (THA/23.83) belegte Rang sechs. „Zuhause haben sich in den letzten Tagen so viele Menschen mit mir gefreut, ich habe sehr viele Nachrichten und viel positives Feedback erhalten.“ Nicht nur online, sondern sogar persönlich konnte Freund Michael Steinlesberger gratulieren, da er in Chengdu als Judge bei den Herren tätig ist. „Er unterstützt mich immer. Es ist wunderschön, das alles mit ihm gemeinsam zu erleben.“

Auffällig: Binder war bereits bei der Einkleidung und Verabschiedung in Wien mit großem Interesse bei der Sache, stets mit einem Lachen im Gesicht. Auch in China war die positive Energie spürbar. Der Grund? „Es ist megacool, hier zu sein! Wir haben ein geniales Team, ich habe so etwas noch nie erlebt. Physios, Sportpsychologin, Arzt, Organisationscrew, Medienteam – das macht es sehr besonders. Ich bin dankbar und stolz, hier dabei zu sein.“

2018 entdeckte Alina Binder das Wakesurfen. „Meine Cousinen haben es mir gezeigt, seither bin ich in diesen Sport verliebt.“ Sieben Jahre später ist sie Fünftplatzierte der World Games. „Das ist unglaublich! Wenn mir das jemand vor einer Woche gesagt hätte, hätte ich es nicht geglaubt. Aber ich habe viel Zeit investiert und mich immer verbessert, das ist die Belohnung.“

Wohin ihre sportliche Reise gehen soll, steht in den Sternen. „Mal schauen, was geht. Ich mache mir keinen Druck. Profi werde ich nicht, weil in Österreich die Saison durch den Winter nicht die längste ist. Es ist cool, wo ich bin – das hätte ich vor ein, zwei Jahren nicht gedacht. Das Wichtigste: Ich will es weiterhin genießen.“

ORIENTIERUNGSLAUF

Der Weg ist das Ziel. Eh immer und überall. Aber bei kaum einer Sportart führen so viele Wege – befestigt oder nicht – ins Ziel, wie beim Orientierungslauf. Wo Kondition auf Kombination trifft, wo mit Karte und Kompass gelaufen wird, auch im Sprint. Zwei Tage nach der extremen Mitteldistanz mit einer Ausfallsquote von 25 Prozent und einer medizinischen Betreuungsquote im Zielbereich jenseits der 50 Prozent, war es für die Athlet:innen schwer, den Sport wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Auch und vor allem weil mit dem Italiener Mattia Debertolis einer von ihnen nach wie vor im Krankenhaus liegt.

Die beiden Österreicher gingen nach der Grenzerfahrung vom ersten World Games-Bewerb mit gemischten Gefühlen an den Start. Dass sie überhaupt starten konnten, grenzt an ein kleines Wunder, wenn man an die Bilder vom Freitag denkt. „Die Erfahrung von der Mitteldistanz hätte ich mir gerne erspart, mein Körper hat doch ziemlich heftig auf das Rennen reagiert“, war Matthias Reiner dementsprechend froh, „überhaupt an die Startlinie gehen zu können“.

Dem vorausgegangen waren lange Diskussionen mit Trainer Martin Binder und dem Teamarzt. „Schlussendlich gibt dir der Körper die Antwort, ob es geht, aber ich wollte es mit Blickrichtung Mixed-Staffel unbedingt probieren“, wurde der Kärntner mit einem, wie er meinte, „absolut tollen Sprint“ belohnt.

„Es war technisch unglaublich schwierig, dadurch war auch die Geschwindigkeit nicht so entscheidend“, finishte Reiner als 30. und ließ doch einige Athleten hinter sich, die voll liefen, während er im Vergleich zur absoluten Weltspitze vergleichsweise langsam joggte. „Genau das ist die Herausforderung beim Orientierungslauf. Schade, dass ich nur auf dem Level performen konnte, weil eigentlich bin ich für mehr nach China gekommen.“

Teamkollege Jannis Bonek beendete den Sprint auf Position 16, 1:39 Minuten hinter dem belgischen Sieger. Der Wiener durchlebte ein Wechselbad der Gefühle, klagte im Ziel wieder über Schmerzen im Brustbereich und war aufgrund der Situation im italienischen Team auch emotional mitgenommen. Nach der Rückkehr ins Dorf klagte auch Matthias Reiner über Schmerzen in der Brust, ließ sich im Medical Tent untersuchen. Ob der 31-Jährige in der Mixed-Staffel starten kann, und damit auch das Team Österreich, ist offen.

Aus Sicht der Damen, also sportlich, wäre es schade, wenn nicht, denn das ÖFOL-Duo präsentierte sich beim ersten Antreten in Chengdu stark, wenngleich nur Anna Gröll wirklich Grund zur Freude hatte. Die Steirerin wurde nach einem super Rennen Zehnte, war mit ihrer Leistung dementsprechend zufrieden: „Ich wusste, dass es ein mega-technisches Rennen wird, deshalb bin ich nicht so schnell reingestartet. Auch weil ich schon länger keinen Wettkampf bestritten habe. Aber meine Performance hat gepasst“, hofft Gröll, dass sich noch ein weiterer Start ausgeht.

Ylvi Kastner beendete das Rennen als 13., wurde aber nachträglich disqualifiziert, weil sie auf verbotenen Plätzen unterwegs war, in China ganz besonders heikel. „Ich konnte leider nicht ganz das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe. Nach einer kleinen Unsicherheit am Start habe ich eigentlich gut reingefunden, dann hatte ich aber ein Blackout mit einem Riesenfehler“, kämpfte sich die Wienerin ins Ziel, um dort kurze Zeit später zu erfahren, dass sie ihr Ergebnis nicht behalten darf. Egal, auch weil die Vorbereitung aufgrund einer Erkältung alles andere als optimal war. Als Ausrede wollte sie das aber nicht hernehmen: „Ich hab’s natürlich gespürt, war physisch am Limit, aber darauf ist es heute nicht angekommen. Deshalb bin ich umso mehr enttäuscht.“

SQUASH

Es war ein Kampf auf Biegen und Brechen – und diesmal hatte Jacqueline Peychär das bessere Ende für sich. 53 Minuten duellierte sich die Tirolerin mit der Tschechin Karolina Sramkova. „Dieses Match war nichts für schwache Nerven, aber wir haben dem Publikum eine super Show geboten“, stieg die 29-Jährige nach dem erfolgreich verwerteten vierten Matchball erschöpft und glücklich aus dem Glascourt: 12:10, 10:12, 11:8, 9:11, 11:7.

„Ich hätte den Sack schon viel früher zumachen können, ja eigentlich müssen“, so Peychär, die nun im Semifinale des unteren Tableaus auf Lucia Bautista aus Kolumbien trifft. „Ich hoffe, dass ich meinen Erfolgslauf fortsetzen kann“, ist für die Olympia-Hoffnung noch Platz 17 drin.

Daniel Lutz trifft am Sonntagabend (14 Uhr MESZ) auf den Chinesen Xuanyi Zhu, hofft nach zwei Niederlagen auf das erste Erfolgserlebnis.

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